Der Titel lautet Backstabbing for Beginners: My Crash Course in International Diplomacy. Das Buch von Michael Soussan erschien 2008 bei Bold Type Books, New York. In Deutschland bei Amazon Backstabbing for Beginners (English Edition). Es bietet auf 330 Seiten Cover, Inhaltsverzeichnis, Impressum, Vorwort, drei Kapitel (S.7 bis 317), Nachwort, Personen- und Sachregister.
Soussan erzählt in drei langen Kapiteln über die Zeit seines Lebens, die er im Dienst der UNO gearbeitet hat. Mit nur 24 Jahren wurde er im November 1997 als Anfänger gleich zum Koordinator des UNO-Programms mit dem größten Haushalt ernannt: jährlich 10 Mrd US-Dollar. Das hat niemanden mehr überrascht als ihn, der nach dem Studium bei einer Anwaltsfirma als Analytiker eingestiegen war.
| Cover aus dem gleichnamigen Film |
Der Buchumschlag offenbart einige Probleme, die sich jedem stellen, der das Buch besprechen will. Dort sind nämlich nicht Michael Soussan und sein Chef abgebildet, sondern die Schauspieler Theo James (als Michael Soussan) und Ben Kingsley (als Benon Sevan, Spitzname Pascha, seit 1992 Vize-Generalsekretär der UNO).
Der Film kam erst 2018 in die Kinos, aber die eigentliche Geschichte fand zwischen November 1997 und Februar 2000 statt. Am Ende schrieb Soussan nämlich ein internes Memorandum an das Büro des Irak-Programms in Baghdad. Darin teilte er dem Büro mit, "dass die Haltung, die Sie öffentlich eingenommen haben, weder meine Ansichten noch die einer großen Anzahl von Mitarbeitern widerspiegelt." (Seite 186)
Im Dezember 2000 verließ er die UNO, wurde freier Journalist und musste im April 2004 vor dem Kongress als Zeuge "über den größten Finanzskandal in der Geschichte der UNO" (Public Broadcasting Service PBS) aussagen. Fox News ging noch weiter und nannte ihn den "schlimmsten Skandal in der Geschichte der Menschheit".
Dann ist da noch der seltsame Titel "Backstabbing ...", der auf Deutsch eigentlich mit "In-den Rücken-Stechen" übersetzt wird und an die "Dolchstoß-Legende" erinnert, welche das deutsche Kaisertum zusammen mit dem Deutschen Heer verbreitet hatte, um ihre als schändlich empfundene militärische Niederlage im ersten Weltkrieg auf eine Weise zu rechtfertigen, die Immanuel Kant - wir sprechen ja hier die ganze Zeit über Kants Entwurf Zum ewigen Frieden - ebenda als "ehrlose Stratagemen" (Kriegslisten Strategema, Strategem, Stratagem) bezeichnet. "Denn irgend ein Vertrauen auf die Denkungsart des Feindes muß mitten im Kriege noch übrig bleiben, weil sonst auch kein Friede abgeschlossen werden könnte, und die Feindseligkeit in einen Ausrottungskrieg (bellum internecinum) ausschlagen würde." (Erster Abschnitt, welche die Präliminarartikel zum Frieden unter Staaten behandelt, Ziffer 6)
In der deutschen Besprechung des Films Backstabbing for Beginners wird der Titel mit "Hintergehen für Anfänger" übersetzt und damit entschärft. Gleichwohl hat man Michael Soussan einen solchen Dolchstoß vorgeworfen, als im März 2004 das Wall Street Journal von ihm gelieferte Dokumente veröffentlichte, die den erwähnten Korruptionsskandal der UNO auslösten.
Das folgende Zitat aus der Einleitung des Buches greift den Ereignissen ein wenig vor, trägt jedoch an dieser Stelle zum Verständnis bei.
Im Dezember 2000 verließ er die UNO, wurde freier Journalist und musste im April 2004 vor dem Kongress als Zeuge "über den größten Finanzskandal in der Geschichte der UNO" (Public Broadcasting Service PBS) aussagen. Fox News ging noch weiter und nannte ihn den "schlimmsten Skandal in der Geschichte der Menschheit".
Dann ist da noch der seltsame Titel "Backstabbing ...", der auf Deutsch eigentlich mit "In-den Rücken-Stechen" übersetzt wird und an die "Dolchstoß-Legende" erinnert, welche das deutsche Kaisertum zusammen mit dem Deutschen Heer verbreitet hatte, um ihre als schändlich empfundene militärische Niederlage im ersten Weltkrieg auf eine Weise zu rechtfertigen, die Immanuel Kant - wir sprechen ja hier die ganze Zeit über Kants Entwurf Zum ewigen Frieden - ebenda als "ehrlose Stratagemen" (Kriegslisten Strategema, Strategem, Stratagem) bezeichnet. "Denn irgend ein Vertrauen auf die Denkungsart des Feindes muß mitten im Kriege noch übrig bleiben, weil sonst auch kein Friede abgeschlossen werden könnte, und die Feindseligkeit in einen Ausrottungskrieg (bellum internecinum) ausschlagen würde." (Erster Abschnitt, welche die Präliminarartikel zum Frieden unter Staaten behandelt, Ziffer 6)
In der deutschen Besprechung des Films Backstabbing for Beginners wird der Titel mit "Hintergehen für Anfänger" übersetzt und damit entschärft. Gleichwohl hat man Michael Soussan einen solchen Dolchstoß vorgeworfen, als im März 2004 das Wall Street Journal von ihm gelieferte Dokumente veröffentlichte, die den erwähnten Korruptionsskandal der UNO auslösten.
Das folgende Zitat aus der Einleitung des Buches greift den Ereignissen ein wenig vor, trägt jedoch an dieser Stelle zum Verständnis bei.
"Während Diplomaten in New York um die moralische Überlegenheit kämpften und sich gegenseitig Vorträge über das Völkerrecht hielten, wurden dieselben Gesetze hinter den Kulissen methodisch verletzt, indem immer mehr krumme Geschäfte getätigt wurden, die die irakische Zivilbevölkerung um einen enormen Teil des Reichtums ihres Landes betrogen hatten. Milliarden waren direkt vor unserer Nase verschwunden und wir waren uns nicht einmal sicher, wie viele. Bald würde dieses kollektive Fiasko von einer hochrangigen Antikorruptionskommission untersucht werden. Frankreich, die Vereinigten Staaten und Russland würden in ein Spiel gegenseitiger Schuldzuweisungen verwickelt werden. Bürokraten bei den Vereinten Nationen würden sich gegenseitig angreifen. Hunderte von Lobbyisten würden rund 2.300 Unternehmen verteidigen, die gegen das Gesetz verstoßen hatten, um die Gunst Saddam Husseins zu erlangen. Das Rinnsal peinlicher Enthüllungen würde sich bald in eine Flut verwandeln. Ein Richter, der den Betrug im Irak untersuchte, wurde bei einer Explosion getötet, und mehrere Quellen, die von Ermittlern vor Ort verwendet wurden, verschwanden auf mysteriöse Weise. Einige einflussreiche Diplomaten, Politiker und andere Vermittler würden ins Gefängnis gehen. Es versprach, ein politisches Blutbad zu werden." (Vorwort Seite 3, Übersetzung von mir)
Hintergrundmaterial
Der erzählerische Stil des Buches täuscht darüber hinweg, dass es wichtige Zusammenhänge enthüllt und mit einer großen Menge von Informationen untermauert, die, wenn sie im Stil einer Dokumentation daher kämen, nur Wenige interessieren würden. Es kann nicht Aufgabe einer Buchbespre-chung sein, tief in historische politische Details zu gehen, zurück bis zur Invasion Kuwaits 1990 durch den Irak unter Saddam Hussein, zu den ersten Sanktionen 1991 gegen ihn, um ihn zum Rückzug aus Kuwait zu zwingen. Diese Details sind jedoch wichtig für die Leser, damit sie verstehen, in welchem politischen und historischen Zusammenhang die Geschichte spielt. Umfangreiches Hintergrundmaterial ist im ANHANG untergebracht.
Das Öl-für-Lebensmittel Programm (Oil-for-Food Programme OFFP)
Hier geht es darum, wie Soussan selber das Programm erlebte, von dem er niemals gehört hatte, bevor man ihn zu seinem Koordinator ernannte. Gleich bei seiner ersten Reise in den Irak hörte er, wie Iraker über "Oil-for-Nothing" und Amerikaner über "Oil-for-Palaces" Witze machten. Die UNO war ebenso polarisiert wie die internationale Gemeinschaft. Soussan sah seine Aufgabe darin, einen internen Konsens über die "objektive Realität des Programms" herzustellen. Zunächst hatte er die Haltung der Angestellten als Mangel an Loyalität betrachtet, später war er darüber geschockt, dass das obere Management dieselbe Haltung hatte. Selbst Generalsekretär Kofi Annan sprach in seinen internen Reden über "die ganze Frustration" des Personals, das für die Organisation arbeitete. "Der Widerspruch lag im Herzen des UN-eigenen Mandats. Die Durchpeitscher und Aufheber der Sanktionen waren nicht im Stande, miteinander an einem Tisch zu sitzen." (Seite 40f)
Später versuchten externe Ermittler herauszufinden, wie "Milliarden von Dollars unter unseren Nasen" verschwinden konnten, wo "das Ziel unserer Operation doch nur darin bestand, das Geld zu überwachen." Sie waren tief verstört über die Unfähigkeit der UNO, selbst minimale Standards von Rechenschaftspflichten bei ihren Mitgliedsstaaten, ihrem Personal und den beauftragten Agenturen durchzusetzen. "Wenn sie vom System der UNO Rechenschaft erwarteten, versuchte ich ihnen zu erklären, dann sei das so, als ob sie von einem blinden Hund erwarteten, eine fliegende Frisbee-Scheibe zu fangen." (Seite 133)
Soussan ist witzig und nimmt kein Blatt vor den Mund.
Soussan ist witzig und nimmt kein Blatt vor den Mund.
Der UN-Sicherheitsrat (UN Security Council)
Mit jugendlicher Direktheit geht Soussan auch gegen den allmächtigen Sicherheitsrat der UNO an. "Der Sicherheitsrat arbeitete wie ein Drogenkartell, das um den Zugang zum irakischen Öl kämpft und dabei dem irakischen Diktator erlaubt, sein Land auszuschlachten, in Teilhaberschaft mit unseren angesehensten internationalen Unternehmen." (Seite 4)
Eine Entscheidung zu treffen, sei ein gefährliches Unterfangen, schreibt Soussan später, weil jeder Bürokrat dabei riskiert, eine der vielen unsinnigen UN-Regeln oder die politischen Empfindlichkeiten eines Landes zu verletzen und so seine Karriere zu zerstören.
"Als Bedienstete des Sicherheitsrates hatten wir nicht einen Boss, sondern fünfzehn. Wer einen hochkarätigen Job anstrebte, musste diese fünfzehn Botschafter mit total gegensätzlichen Weltanschauungen bei Laune halten. Folglich bestand die sicherste Entscheidung für einen Bürokraten oft darin, überhaupt keine Entscheidung zu treffen." (Seite 136)
Saddams geheime Liste
"Präsidenten, Journalisten und politische Parteien erhielten Millionen Fässer Öl von Saddam". Mit der Schlagzeile kam am 25. Januar 2004 die Tageszeitung Al Mada in Bagdad heraus. Der Artikel enthielt eine geheime Liste mit Namen, die von Saddam Husseins persönlichen Bilanzbuchhaltern erstellt worden war. Kurz zuvor, am 13. Dezember 2003, war Saddam Hussein von amerikanischen Truppen festgenommen worden, sein Regime war beendet. Soussan hat den Artikel in seinem Buch veröffentlicht. (Seite 265f) Hier ist ein Auszug in meiner Übersetzung.
BAGDAD - Al-Mada hat eine Liste der Personen und Firmen erhalten, denen Saddam Hussein in den verschiedenen Phasen des UN-Programms „Öl für Lebensmittel“ Rohöl zugeteilt hat. Die Liste enthält die Namen von Einzelpersonen, Unternehmen, politischen Parteien, Gruppen und Organisationen aus aller Welt. Interessanterweise hatten die meisten Empfänger von irakischem Öl nichts mit dem Ölgeschäft zu tun. Sie waren weder an der Ölverteilung noch an deren Lagerung oder Verkauf beteiligt und es war nicht bekannt, dass sie an Öl interessiert waren, bevor sie diese Zuteilungen erhielten. Dazu gehören unter anderem die russisch-orthodoxe Kirche… die Kommunistische Partei Russlands… französische Politiker… der Präsident Indonesiens… ein britischer Abgeordneter… jordanische, syrische und ägyptische Politiker… und die Liste geht weiter. Insgesamt zweihundertsiebzig Menschen. [Die Liste zeigt, dass] das nicht mehr existierende Regime von Saddam Hussein das UN-Programm in ein schmutziges Geschäft und ein politisches Spiel verwandelt hatte, um seine geheimen Rüstungskäufe, teuren Baumaterialien für die Präsidentenpaläste und extravaganten Luxusgüter zu finanzieren. Sein Regime machte auch den Vertrag über den Verkauf von Öl zum größten Unternehmen in der modernen Geschichte, um Loyalität und Einfluss auf der ganzen Welt zu kaufen.…
Die Untersuchungen der Korruption, wie Soussan sie erlebte
Das Wall Street Journal hatte am 8.März 2004 die Dokumente veröffentlicht, die Soussan an eine Reihe von Nachrichtensendern geschickt hatte. Danach hatte Generalsekretär Kofi Annan seine ärgsten Kritker damit überrascht, dass er Paul Volcker, den ehemaligen Präsidenten der amerikanischen Zentralbank, mit der Leitung der Untersuchungen beauftragt hatte. Soussan fühlte sich durch diese Wendung der Ereignisse gerechtfertigt gegenüber jenen, die ihm Verrat an der UNO vorgeworfen hatten. Aber er war immer noch von der Unschuld seines Vorgesetzten Benon Sevan überzeugt.
Er musste aber der Wahrheit ins Gesicht sehen, als Paul Volcker am 8. August 2005 in New York eine Pressekonferenz abhielt und sagte:
Erstens: Herr Sevan hat den persönlichen finanziellen Nutzen aus dem Programm durch Geldeingänge aus dem Verkauf von Öl, das Herrn Sevan vom Irak zugeteilt und von der African Middle East Petroleum Company Limited gekauft wurde, korrupt abgeleitet.
Zweitens: Die Teilnehmer wussten, dass ein Teil des Öls durch Zahlung eines illegalen Zuschlags an den Irak unter Verstoß gegen die Sanktionen der Vereinten Nationen gekauft wurde.… “ (Seite 295)
Soussan erzählt in diesem Zusammenhang, dass er von Staatsanwälten vernommen wurde, weil er die Schuld seines Vorgesetzten Benon Sevan bis zuletzt "hoch unwahrscheinlich" nannte.
Der Sicherheitsrat wurde in der Tat zunehmend kritisiert, weil er die Grundprinzipien des demokratischen Prozesses nicht eingehalten und alle Macht in den Händen einiger Staaten konzentriert hatte. Die mangelnde Trennung zwischen Legislative, Justiz und Exekutive auf der Weltbühne musste schlussendlich angegangen werden. Eine internationale Behörde, deren Mitglieder ungestraft gegen ihre eigenen Gesetze verstoßen, konnte auf lange Sicht nicht tragfähig sein. Ein Wandel war unvermeidlich. Soussan zitiert in diesem Zusammenhang Peter Ustinov, der den Monsieur Poirot in einigen Verfilmungen von Agatha Christies Romanen gespielt hat.
Paul Volcker und der Mord im Orient Express
Die Ereignisse haben Soussan auch persönlich verändert. Die Untersuchungen der Korruption erschienen ihm nun wie ein Krimi, in dem die meisten Beteiligten "es getan" hatten. Er verarbeitet das Geschehen durch den Vergleich von Volckers Korrupti-onsuntersuchungen mit dem Vorgehen von Monsieur Poirot in Agatha Christies Roman Mord im Orient Express. Die Parallele hat eine gewisse Erklärungskraft.
Am Ende versammelte Poirot nämlich die Passagiere im Hauptspeisesaal des Zuges, um ihnen die Ergebnisse seiner Untersuchung vorzustellen. Poirot hatte zwei Theorien darüber, wie der Mord verlaufen war, und er bat die Versammlung, zu entscheiden, welche richtig war. Seine erste Theorie war, dass eine einzelne Person, die seitdem geflohen war, des Verbrechens schuldig war. Es war natürlich eine durchaus plausible Theorie, aber keine, die alle seine Fragen beantworten konnte. Und so enthüllte Poirot seine zweite Theorie: Jeder Passagier im Abteil hatte an dem Verbrechen teilgenommen. Poirot war nicht überrascht zu sehen, dass die Versammlung seine erste Theorie enthusiastisch unterstützte. Volcker ging seine Aufgabe ähnlich an wie Poirot. Der Sicherheitsrat war vollkommen zufrieden mit seiner ersten Untersuchung der geringfügigen Korruption eines pensionierten UN-Bürokraten, der seitdem nach Zypern geflohen war. Als er jedoch anfing, tiefer zu graben und enthüllte, wie systematisch die Mitgliedstaaten des Sicherheitsrates an dem Betrug beteiligt waren, indem sie gegen ihre eigenen Gesetze verstießen, da ging seinen Ermittlungen das Geld aus, denn die Ratsmitglieder wollten Volcker nicht dafür bezahlen, dass er sie weiter in Verlegenheit bringen konnte. Sogar die US-Regierung hat einige seiner Anfragen blockiert, insbesondere nachdem er die Untersuchung der erstaunlichen Korruptionsraten gefordert hatte, die erst nach dem Irakkrieg von 2003 geflossen waren. (Seite 314)
Kant und der ewige Frieden
Anstatt Soussans Vertrauen in die Notwendigkeit internationaler Regierungskontrolle zu erschüttern, wurde es durch seine Erfahrungen eher gestärkt. Er schreibt:
"So sehr ich die Geschichte der UN-Reformen erforschte, fand ich nie einen besseren Entwurf für eine gesunde internationale Organisation als den, den Immanuel Kant ursprünglich in seinem Aufsatz Über den ewigen Frieden von 1795 angeboten hatte. Leider haben weder die Vereinten Nationen noch ihr Vorgänger, der Völkerbund, versucht, sich an Kants Richtlinien zu halten. Die finanzielle Korruption, die ich miterlebt hatte, hatte ihre Wurzeln in der Korruption einer großen Vision, einem Versuch, internationale Gesetze auf Regierungen anzuwenden, die sich als über ihren eigenen nationalen Gesetzen stehend betrachteten und deren Handlungen einen Übertragungs-Effekt hatten, der das gesamte System belastete." (Seite 315f)
"Korruption ist der Weg der Natur, unser Vertrauen in die Demokratie wieder-herzustellen."
Was wurde aus Pascha?
Er verlor die diplomatische Immunität und floh aus New York in sein Geburtsland Zypern. Die Journalistin Claudia Rosett, Autorin vieler Exklusivberichte über den UN-Skandal, besuchte ihn im März 2006 in seinem Haus in Nicosia. Sie berichtet, dass Pascha ihr gesagt hätte: "Ich laufe nicht weg. Und ich schäme mich nicht, wenn ich mich morgens beim Rasieren im Spiegel anschaue."
Das südliche Bezirksgericht Manhattan klagte ihn am 16. Januar 2017 wegen Bestechung und Verschwörung zum Überweisungsbetrug an. Der Haftbefehl des FBI konnte nicht ausgeführt werden, weil die zypriotische Regierung sich darauf berief, dass sie mit den USA keinen Auslieferungsvertrag hat.
Das Nachwort
Im Nachwort werden viele persönliche Dinge angesprochen. Soussan beschreibt darin, wie im Lauf der Zeit seine negative Haltung gegenüber der UNO weiser geworden ist.
"Das System tendiert dazu, junge Idealisten in alte Realisten zu verwandeln. Beide Ansichten haben ihre inhärenten Mängel (Idealisten können alarmierend naiv sein, ebenso wie Realisten gefährlich zynisch sein können), aber beide bieten notwendige, sogar ergänzende Beiträge zum Prozess. Tatsächlich steht die Dichotomie zwischen Idealismus und Realismus im Mittelpunkt der meisten Debatten im Bereich der internationalen Angelegenheiten. In der realen Welt der Diplomatie führt der Konflikt zwischen diesen beiden Weltanschauungen oft zu einem Konflikt zwischen den Generationen." (S. 316f)
Zum Schluss berichtet er über eine Studentin, die von ihm wissen wollte, ob sie reinen Gewissens eine angebotene Arbeitsstelle bei der UNO annehmen könnte. Seine Antwort ist erstaunlich.
"Ich kann Ihnen nicht davon abraten, der UNO beizutreten", sagte ich. "Tatsächlich hoffe ich, dass meine eigene Erfahrung Sie nicht davon abhält, Mitglied zu werden. Ich habe das Gefühl, einen Unterschied bewirkt zu haben. Und wenn Sie das in dieser Phase Ihrer Karriere tun möchten, sollte Sie nichts zurückhalten." Worauf die junge Frau nickte. (Seite 317)
Köln, März 2020
