Einleitung

Das Vorwort und der Gesamteindruck der Seite lassen einen roten Faden nur undeutlich erkennen. Da ist vom ewigen Frieden die Rede und  von der Kontolle  der Korruption, aber der Zusammenhang erschließt sich nicht unmittelbar. Ziemlich aus dem Rahmen fallen der Universalgelehrte Leibniz, der Kulturphilosoph Gebser und der Schriftsteller McEwan. 

Und dennoch gibt es ein Thema, das alle Teile miteinander verbindet. Man nimmt  es aber  erst wahr, wenn man die lineare Vorstellung eines Fadens erweitert und eher an ein "Thema mit Variationen" denkt. Jede Variation lässt nämlich das Thema anders anklingen. Alle Variationen zusammen schöpfen das Thema aus, zeigen seine Mannigfaltigkeit in der Einheit, seine Vielgestalt.  

Hier ist es das Thema der lichtscheuen Politik, das in jeder Variation anders anklingt.

Bei Platon war es die Frage: "Wer bewacht die Wächter?" Denn wenn die Bewacher der Wächter ihre Aufgabe verraten wollen, so müssen sie es heimlich angehen. Kant sagte in seiner Schrift "Zum ewigen Frieden", dass die Hinterlist einer lichtscheuen Politik von der Philosophie vereitelt werden kann, und zwar durch ihre Maxime der Publizität. Philosophen von Plato bis Leibniz, Kant und Gebser  haben die lichtscheue Politik ihrer Zeit aufgedeckt. John F. Kennedy, der ehemalige US-Präsident, hat den mächtigen Geheimbund Skull & Bones angegriffen, den mächtigsten der USA, und viele sahen darin den Grund für seine Ermordung. Der UN-Mitarbeiter Michael Soussan hat die Korruption im UN-Sicherheitsrat angeprangert, übrigens nachdem er "Zum ewigen Frieden" von Kant gelesen hatte. Ohne eine lichtscheue Politik könnte es keine Korruption geben. Leslie Holmes hat sie durch seine 30-jährige Lehr- und Forschungsarbeit und durch sein Buch so vollständig ins Licht gerückt, wie  es vor ihm wahrscheinlich noch niemand getan hat.

Ebenso die großen Schriftsteller. Dante Alighieri (1265-1321) hat zum Beispiel in der Gött-lichen Komödie eine korrupte und apathische Gesellschaft mit der Feder aufgespießt. Der britische Schriftsteller Ian McEwan (geb. 1948) verwendet das Symbol der lichtscheuen Kakerlaken, die stärker werden, wenn die Menschen ihrer Vorliebe für die Dunkelheit nach-geben. Am Ende seiner Novelle legt er dem Kakerlaken-Premierminister folgende Worte in den Mund:
"Immer, wenn die Dunkelheit in ihnen [den Menschen] überhandnahm, gediehen wir. Gaben sie Armut, Schmutz und Elend Raum, wurden wir stärker."
Im Übrigen haben Kant und  Holmes mehr gemeinsam, als man annehmen möchte, nämlich dieselbe ethische Haltung im Verein mit einer ausgeprägten formalen Intelligenz. Die Werke von Kant, in viele Sprachen übersetzt, werden in jeder Universität der Welt respektiert und in Ehren gehalten. Wenn beide, Kant und  Holmes, und eventuell  einige seiner Schüler sich begegnen würden, vielleicht unter einem Titel wie "Politisch denken - was bedeutet das?", dann könnte die Sache der Anti-Korruption die philosophisch-juridische Grundlage erhalten, die ihr bis heute fehlt. Eine solche Grundlage müsste freilich auf kulturelle Besonderheiten eingehen, damit Gesetzgeber. wo und wann immer es möglich ist, wirksame Gesetze zur Kontrolle von Korruption durchsetzen können.

Juridisch bezieht sich auf die Entstehung  und Veränderung des Rechts.
Juristisch bezieht sich auf die Anwendung und Durchsetzung des Rechts.
 
Der Artikel Juridisch und Juristisch enthält einen Einstieg ins Thema und
eine Reihe von weiterführenden Quellen.


Köln, Juni 2020