11.06.2020

Vorwort

Es gibt in der europäischen Geistesgeschichte gewisse politische Fragen, die von großen Philosophen gestellt wurden, auf die jedoch bis heute niemand eine befriedigende Antwort gefunden hat. Dazu zählt unter anderem Platons Frage: "Wer bewacht die Wächter?" Sie steht bis heute im Kern der Aufklärung von Korruptionsskandalen, von denen unsere Geschichte so voll ist. Und immer, wenn Menschen den Mut aufbrachten, die Korruption aufzudecken, streuten Schuldige und Mitwisser häufig Asche auf ihre Häupter und fragten erschüttert, wie das nur geschehen konnte. Ob sie dabei ehrlich waren, ist eine weitere Frage, auf die zum Beispiel Immanuel Kant mit seinem kategorischen Imperativ eine Antwort versucht hat. Das weltweite komplexe Problem der Korruption wurde von Leslie Holmes drei Jahrzente lang untersucht. Sein 2015 erschienenes Buch KORRUPTION. Was sie anrichtet und wie wir sie bekämpfen können wird hier besprochen.

Unsere Geschichte ist voll von Kriegen. Der schrecklichste europäische Krieg vor den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts war der 30-jährige Krieg, der 1648 mit dem "Westfälischen Frieden", der eher nur ein Waffenstillstand war, militärisch, aber nicht religionspolitisch beendet wurde. Der Philosoph, Mathematiker und letzte Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz  hat sich ab 1670 für eine Wiedervereinung von Katholiken und Protestanten und später für den Zusammenschluss der protestantischen Konfessionen eingesetzt, scheiterte jedoch am Eigensinn der tief von einander getrennten Länder. Sein Briefwechsel ist jedoch erhalten geblieben. Er besteht aus etwa 15.000 Briefen mit 1.100 Korrespondenten. Die UNESCO hat ihn 2007 in die Liste ihres Weltdokumentenerbes  aufgenommen. Die Quellen  dieser Informationen werden im  Anhang aufgeführt.

Unsere Geschichte ist voll von Kriegsverbrechen. Und immer wieder stand die Frage Platons: "Wer bewacht die Wächter?" im Kern der Aufklärung der Verbrechen beziehungsweise im Kern ihrer Vertuschung, weil sie, die Bewacher der Wächter,  ihre Aufgabe verraten hatten. Kant hat in seiner Schrift Zum ewigen Frieden Grundsätze entworfen, die einer Bündnispolitik zur Verhinderung von Kriegen als Grundlage dienen könnten. Und es versteht sich, dass ein "ewiger Frieden" aufgrund der Verschränkung von Zeit und Raum, an deren Erforschung Kant lange gearbeitet hat, gleichbedeutend mit dem Weltfrieden ist. Kants Schrift Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf wird hier besprochen.

Seine Überlegungen sind heute noch aktuell. Das Buch Backstabbing for Beginners wurde durch den größten Korruptionsskandal der Vereinten Nationen ausgelöst. Sein Autor Michael Soussan  war darin unwissentlich verwickelt. Als er diesen Umstand im Februar 2000 entdeckte, hat er Kants  Entwurf Zum ewigen Frieden studiert. Danach fand er den Mut,  seine Erkenntnisse zu veröffentlichen und zwar unter seinem Namen, unter Verzicht auf die Anonymität des angebotenen Quellenschutzes. Seine mutige Entscheidung führte dazu, dass  neue Ideen über den Umbau der Vereinten Nationen entstanden sind. Sein Buch Backstabbing for Beginners wird hier besprochen.

Der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy verfügte über eine philosophische Ausbil-dung. Wenn man ihn vergleichen will, so fällt mir nur der römische Philosophen-Kaiser Mark Aurel ein. Dessen Selbstbetrachtungen werden zur Weltliteratur gezählt. Kennedy hat sie gelesen, ebenso wie viele andere anspruchsvolle Werke der amerikanischen und inter-nationalen Literatur. Ohne die Bücher von Barbara Tuchman hätte er, wie er sagte, in der Kubakrise 1962 keine Strategie gegen die Kriegstreiber im amerikanischen und im sow-jetischen Militär entwickeln können. In seiner bemerkenswertesten Rede sprach er vom Frieden für alle Menschen und alle Zeiten: "Auch geht es nicht nur darum, dass in unserer Zeit Frieden herrscht, sondern für alle Zeiten." In dem Essay Die UNO und der ewige Frieden wird der Zusammenhang erklärt.


Der Frieden ist die notwendige Bedingung zur Lösung aller anderen globalen Probleme. Wir  können  uns diesen Problemen nicht entziehen, weil wir seit den  ersten globalen Kriegen - den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts - in der globalen Welt leben, ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht. Die Philosophen, die  über den Frieden gearbeitet haben, können nicht alle erwähnt werden. Es gibt jedoch einen, dem ich besonders nahe stehe und dem ich ein Buch gewidmet habe. Es handelt sich um den Kulturphilosophen, Dichter und Schriftsteller Jean Gebser. Er wird durch eine Referenz auf sein Werk vorgestellt.


Aber auch die Schriftsteller, die über den Frieden geschrieben haben, dürfen keineswegs geringgeschätzt werden. Ian McEwans jüngste Novelle Die Kakerlake wurde zum Teil heftig kritisiert. Dessen ungeachtet halte ich sie für eine einzigartige Lektion über das prekäre Verhältnis zwischen Literatur und Politik. Man sollte wissen, dass McEwan von The Times  in die Liste der 50 größten britischen Schriftsteller seit 1945 aufgenommen wurde. The Daily Telegraph setzte ihn sogar auf Platz 19 der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten in der britischen Kultur überhaupt. Seine Novelle Die Kakerlake wird hier besprochen.

Lesen Sie bitte unbedingt die Einleitung, bevor Sie fortfahren. Und nehmen Sie bitte auch zur Kenntnis, dass das Buch noch nicht fertig ist. Wichtige weitere Kapitel sind noch zu schreiben. Einige sind in Vorbereitung. Sie werden im Abschnitt "ToDo" umrissen.